Westende auf der Insel Testerep (1087 bis 1885)
Jahrhundertelang war Westende ein kleines Polderdorf an der Westspitze einer Insel.
- Die Insel Testerep: im Mittelalter lag Westende an der Westspitze von Testerep, einer mittelalterlichen Insel entlang der Küste, die bis Ostende reichte.
- Erste Erwähnung (1087): Westende wurde schon 1087 erwähnt und 1196 eine eigene Pfarrei.
- Westhende (1777): auf den Ferraris-Karten von 1777 heißt das Dorf Westhende, mit einer Windmühle und einigen verstreuten Bauernhöfen.
- Leere Dünen: bis ins 19. Jahrhundert waren die Dünen und der Strand nördlich des Dorfes fast unbewohnt.
- Die erste Straßenbahn (1885): 1885 fuhr die allererste Straßenbahnlinie der NMVB von Ostende nach Westende-Dorp und weiter; diese Dampfstraßenbahn fuhr bis 1955.
Édouard Otlet und das Seebad (1888 bis 1914)
Ende des 19. Jahrhunderts baute ein Brüsseler Industrieller auf eigene Kosten ein komplettes Seebad in den Dünen.
- 64 Hektar Dünen (1888): 1888 kaufte der Brüsseler Industrielle Édouard Otlet 64 Hektar Dünen, und 1897 ließ er einen Deich anlegen.
- Alles mit Privatkapital: Westende-Bad erhielt Tennisplätze, eine Kirche, ein Postamt, einen Kursaal und ein eigenes Elektrizitätswerk.
- Die elektrische Straßenbahn (1903): 1903 wurde die elektrische Straßenbahn Ostende Middelkerke bis Westende-Bad verlängert; daraus entstand die heutige Kusttram, die hier noch immer eine Wendeschleife hat.
- Grand Hôtel Bellevue (1911): Architekt Octave Van Rysselberghe entwarf das Hotel mit dem runden Vorbau, im Volksmund die Rotonde; es öffnete im Juni 1911 mit 120 Zimmern, zwei Aufzügen und sechzehn Bädern mit warmem Meerwasser.
- Königliche Gäste: auch Mitglieder der königlichen Familie machten im Grand Hôtel Bellevue Urlaub.
- Elitäres Seebad: am Vorabend des Ersten Weltkriegs hatte Westende zwei Grandhotels und Hunderte Villen in allen möglichen Stilen.

Krieg und Wiederaufbau (1914 bis 1945)
Zwei Weltkriege hinterließen tiefe Spuren in dem jungen Seebad.
- Zerstört (1914 bis 1918): nahe der Front an der Yser wurde Westende im Ersten Weltkrieg durch Beschuss fast vollständig zerstört; das Grand Hôtel Bellevue war eines der wenigen Gebäude, die stehen blieben.
- Wiederaufbau (1920er und 1930er Jahre): in den 1920er und 1930er Jahren wurde Westende wieder aufgebaut; das Westend Hôtel entstand 1924 neu als Westend Palace.
- Sint-Laurentiuskerk (1922): die neugotische Sint-Laurentiuskerk in Westende-Dorp wurde 1922 wieder aufgebaut; die Sint-Theresiakapel in Westende-Bad stammt von 1930.
Villa Les Zéphyrs (1922): die Genter Arztfamilie Muyshondt ließ 1922 die Villa Les Zéphyrs bauen; Speisezimmer und Rauchsalon haben ein Jugendstilinterieur von Henry Van de Velde aus dem Jahr 1898.- Kleine Bamburg (1920): der denkmalgeschützte Bauernhof Kleine Bamburg wurde 1920 wieder aufgebaut.
Batterie Bamburg (1942 bis 1944): die deutsche Besatzung baute etwa 3 Kilometer landeinwärts die Batterie Bamburg als Teil des Atlantikwalls, zur Verteidigung des Hafens von Nieuwpoort und der Yser-Mündung.- Flüchtlinge: im Zweiten Weltkrieg wohnten Flüchtlinge in der Villa Les Zéphyrs, und viel vom ursprünglichen Inventar verschwand.

Massentourismus und Renaturierung (1945 bis heute)
Nach dem Krieg machten die Villen Platz für Apartments, und die Natur bekam langsam wieder Raum.
- Apartmenthäuser (1960er Jahre): mit dem Massentourismus kamen ab den 1960er Jahren die Apartmenthäuser; fast alle Villen verschwanden.
- Westend Palace (1972): nach Jahren des Verfalls wurde das Westend Palace 1972 abgerissen.
- Grand Hôtel Bellevue: nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Hotel größtenteils zu Apartments umgebaut; seit 1984 stehen die Fassaden unter Denkmalschutz, und 2009 war das Hotel Kulisse der Fernsehsendung Het Hotel Westende.
- Touristeninformation (1972): 1972 mietete die Gemeinde Westende die Villa Les Zéphyrs als Touristeninformation, was das Interieur gerettet hat.
- Fusionen (1971 und 1977): 1971 fusionierte Lombardsijde mit Westende, und 1977 wurden beide Teilgemeinden von Middelkerke.
Vom Campingplatz zur Düne: wo die Campingplätze Cosmos und Crystal Palace lagen, wächst heute die Natur der Sint-Laureinsduinen; der Campingplatz Cosmos war 1996 Drehort des Films Camping Cosmos. Schuddebeurze: das etwa 40 Hektar große Naturgebiet Schuddebeurze schützt alte kalkarme Dünen, Tümpel und historische Bauernhöfe.




